Zeit

Meine Zeit steht in deinen Händen

15 HERR, auf dich hoffe ich und spreche: Du bist mein Gott! 16 Meine Zeit steht in deinen Händen.

(Psalm 31, Übersetzung: Luther 84)


Stundenschlag und Uhrwerk (Kirche Gerzensee)

Alles hat seine Zeit

1 Alles, was auf der Erde geschieht, hat seine von Gott bestimmte Zeit: 2 geboren werden und sterben, einpflanzen und ausreißen, 3 töten und Leben retten, niederreißen und aufbauen, 4 weinen und lachen, wehklagen und tanzen, 5 Steine werfen und Steine aufsammeln, sich umarmen und sich aus der Umarmung lösen, 6 finden und verlieren, aufbewahren und wegwerfen, 7 zerreißen und zusammennähen, schweigen und reden. 8 Das Lieben hat seine Zeit und auch das Hassen, der Krieg und der Frieden. 9 Was hat ein Mensch von seiner Mühe und Arbeit? 10 Ich habe die fruchtlose Beschäftigung gesehen, die Gott den Menschen auferlegt hat. 11 Gott hat für alles eine Zeit vorherbestimmt, zu der er es tut; und alles, was er tut, ist vollkommen. Dem Menschen hat er eine Ahnung von dem riesigen Ausmaß der Zeiträume gegeben, aber von dem, was Gott in dieser unvorstellbar langen Zeit tut, kann der einzelne Mensch nur einen winzigen Ausschnitt wahrnehmen.1 12 Ich bin zu der Erkenntnis gekommen: Das Beste, was der Mensch tun kann, ist, sich zu freuen und sein Leben zu genießen, solange er es hat. 13 Wenn er aber zu essen und zu trinken hat und genießen kann, was er sich erarbeitet hat, dann verdankt er das der Güte Gottes. 14 Ich habe erkannt: Alles, was Gott tut, ist unabänderlich für alle Zeiten. Der Mensch kann nichts hinzufügen und nichts davon wegnehmen. So hat es Gott eingerichtet, damit wir in Ehrfurcht zu ihm aufschauen. 15 Was in der Vergangenheit geschah und was in Zukunft geschehen wird, hat Gott lange zuvor festgelegt. Und die Zeit, die uns entschwunden ist, ist bei ihm nicht vergangen.

(Prediger 3, Übersetzung: Gute Nachricht)

Kairos und Chronos

Kairos (griech. καιρός) ist ein religiös-philosophischer Begriff für den günstigen Zeitpunkt einer Entscheidung, dessen ungenütztes Verstreichen nachteilig sein kann.
In der Philosophie ist es der entscheidende Augenblick selbst, in der Religion steht Kairos auch für die Entscheidung zwischen Glauben und Unglauben.
Der Name kommt aus der griechischen Mythologie, wo Kairos der Gott der günstigen Gelegenheit, der besonderen Chance und des rechten Augenblicks ist. Laut dem Dichter Ion von Chios (490–421 v. Chr.) ist Kairos der jüngste Sohn des Zeus. (Aus Wikipedia: Kairos)

Chronos (griechisch χρόνος „Zeit“) ist in der griechischen Mythologie der Gott der Zeit. Er versinnbildlicht den Ablauf der Zeit und auch die Lebenszeit. (Aus Wikipedia: Chronos)

Lesen in den zwei Gesichtern der Zeit

Als Gott die Zeit erschuf, hat er von Eile nichts gesagt“, lautet ein afrikanisches Sprichwort. Uns jedoch läuft die Zeit davon. Wir leiden unter chronischem Zeitmangel. Unsere Zeit misst der Chronometer – die Uhr, während in anderen Kulturen die Zeit gewogen wurde – von Kairos, dem Gott des rechten Augenblickes.

Chronos und Kairos – oder vom Lesen in den zwei Gesichtern der Zeit (Aus dem Artikel von Hannes Weinelt, publiziert in der Zeitschrift "Abenteuer Philosophie 4/2005")

Zeit

Es gibt täglich tausend Kleinigkeiten und Möglichkeiten – Auszeiten –, die unsere Seele berühren können. Sie bewusst wahrnehmen und als Kraft- und Energiequellen in unseren zeitbetonten Alltag zu übernehmen und als Synergien zu nutzen, ist lernbar. (Aus dem Artikel "Zeit" von Lydia Hänni)

Augenblick und Ewigkeit

Von Ewigkeit zu Ewigkeit – vielleicht kennen Sie diese Formulierung aus dem Gottesdienst. Ich habe sie dort öfters gehört. Sie hat mich immer wieder fasziniert und doch war sie mir im Grunde unverständlich. Ewigkeit war für mich etwas ohne Ende, etwas Unendliches, etwas Einmaliges, und nun war da von der Ewigkeit doch so die Rede, als ob es verschiedene Ewigkeiten gebe, als ob eine Ewigkeit vergehen und dann eine neue anbrechen würde. (Aus dem Artikel "Augenblick und Ewigkeit" von Hans Schneider)
Die Grundlagen zum Artikel sind in folgendem Essay zu finden: Ewigkeit und Augenblick von Hans Schneider

Jeden Tag 24 Stunden Zeit

Jede Stunde hat für jeden einzelnen Menschen ihre besonderen Möglichkeiten. Wir können die Zeit weder anhalten noch verlängern. Aber wir können entscheiden, in der geschenkten Zeit das uns Wichtige und Wesentliche und Mögliche zu tun. (Aus dem Artikel "Im Jahr 2005 jeden Tag 24 Stunden Zeit" von Hans Schneider)

Zeit in Gerzensee – Die Zukunft in meinem Rücken

Wir teilen unsere Lebenszeit ein. Wir blicken zurück auf das, was ver­ gangen ist, leben in der Gegenwart und schauen vorwärts in die Zukunft. Oder wir drehen die Sichtweise um: Zukunft, ist das, was hinter meinem Rücken ist, was ich somit nicht sehen kann oder vielleicht mal ganz kurz mit einem Blick über die Schulter. Was hinter meinem Rücken ist, kann ich nämlich schlecht ins Visier nehmen und deshalb bleibt es – die Zukunft – unberechenbar. Will ich mir einen Blick in die Zukunft ermöglichen, müsste ich mir schon den Hals ver­ renken. Was ich hingegen sehe, un­ mittelbar vor mir habe, ist das Ver­ gangene, alles das, was ich erlebt habe. Eine Fülle an Erfahrungen, die mir gegenwärtig nahe sind.
Welche Sichtweise gefällt Ihnen besser? (Aus dem Artikel "Zeit in Gerzensee – Die Zukunft in meinem Rücken" von Marianne Schmid)

Zeit - Gedichte

Betrachtung der Zeit

Mein sind die Jahre nicht die mir die Zeit genommen,
Mein sind die Jahre nicht, die etwa möchten kommen
Der Augenblick ist mein, und nehm' ich den in acht
So ist der mein, der Jahr und Ewigkeit gemacht.

(Andreas Gryphius, 1616-1664)


An Leukon

Rosen pflücke, Rosen blühn,
Morgen ist nicht heut!
Keine Stunde lass entfliehn,
Flüchtig ist die Zeit!

Trinke, küsse! Sieh, es ist
Heut Gelegenheit!
Weisst du, wo du morgen bist?
Flüchtig ist die Zeit!

Aufschub einer guten That
Hat schon oft gereut!
Hurtig leben ist mein Rath,
Flüchtig ist die Zeit!

(Johann Wilhelm Ludwig Gleim, 1719-1803)


Doch nicht immer ist das "Jetzt, Jetzt, Jetzt" die beste Strategie. Die Zeit hat eine Eigenschaft, die medizinisch kaum erforscht ist: Sie heilt alle Wunden.


Überlass es der Zeit

Erscheint dir etwas unerhört,
Bist du tiefsten Herzens empört,
Bäume nicht auf, versuchs nicht mit Streit,
Berühr es nicht, überlass es der Zeit.
Am ersten Tage wirst du feige dich schelten,
Am zweiten lässt du dein Schweigen schon gelten,
Am dritten hast du's überwunden;
Alles ist wichtig nur auf Stunden,
Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter,
Zeit ist Balsam und Friedensstifter.

(Theodor Fontane, 1819-1898)





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